Lewin Stettler, London

Levin Stettler

Master of Fine Arts in Art & Humanities, Royal College of Art, London

September 2024 bis September 2025

Dank der Unterstützung der Yvonne Lang-Chardonnens Stiftung konnte ich mein Masterstudium in Art &Humanities am renommierten Royal College of Art in London absolvieren. Diese Förderung ermöglichte mir einen unschätzbar wertvollen Abschnitt auf meinem jungen künstlerischen Weg.

Die hier entstanden Wege , hätte ich mir anderswo weder erdenken, geschweige denn realisieren können. Auch bin ich mir sicher, dass ich nirgendwo so gewachsen wäre wie während meiner Zeit in London:

Als ich allerlei Artefakte auf meiner rastlosen Reise durch die Stadt sammelte. In all meinen temporären Unterkünften – von Seven Sisters über Chelsea, Battersea, Croydon und Tower Hamlets bis nach Hackney. Entlang der Küste der Themse, an Abgründe von angeschwemmten Knochen und Plastikmüll, bis sich in meinem Studio Kisten türmten, voller Kuriositäten und Kreaturen, in Samt gebettet – und mein Atelier zu einer Wunderkammer wurde.

Als kleine Träume sich auflösten, grosse Versprechen erneut gemacht und gebrochen wurden. Und alles wasweder klein noch gross war, ebenso zerfiel. Und ich den Elementen, die ich nie verstehen wäre, denen meinerselbst, ausgesetzt war. Und ich dennoch lachen musste über mich selbst, nach den endlosen Diskussionen über Definitionen im Gemeinschaftsatelier.

Als ich weiter schrieb, Tag für Tag, an dem Text, den ich trotz unzähliger Überarbeitungen erst nach meiner Rückkehr in die Schweiz vollendet konnte. Und ich ihn meinen Dozierenden bei der Abschlusspräsentation dennoch Bruchteile vortrug – und sie mit Tränen in den Augen sagten: Das ist wirklich etwas. Das ist bedeutungsvoll und echt.

Als die ersten Frühlingsstrahlen mich auftauten und ich zu gehen begann, wie ein Kind, das entdeckt, dass es Beine hat – durch Museen, in Chicken-Shops, Galerien, an Lesungen, ins Theater, über geleckte undverdreckte Strassen, über die gigantische Haut, deren Kruste zwischen ewigem Zerfall und Wiedergeburtoszilliert – und ich Teil davon wurde.

Als auf meinem Schreibtisch eine Haut aus Latex, Dreck, frittiertem Teig, Haaren und Staub wuchs. Und einblaues Auge mich daraus anstarrte.

Die Liebe, welche ich für London und meine Zeit am Royal College of Art empfinde, ist komplex undmysteriös – genau so, wie es Liebe (hoffentlich) zu sein hat.

Dankeschön.

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Rosanna Zünd, Jerusalem